Trace
Das Trace-Register zeichnet OPC-UA-Signalwerte in festem Takt auf und stellt sie als Live-Diagramm dar — ähnlich einem Oszilloskop. Das ist das richtige Werkzeug, wenn eine Zahl in der Watch Table nicht reicht und Sie sehen wollen, wie sich ein Signal über die Zeit verändert: steigende Flanken, Überschwinger, Schwingungen oder Drift.
Trace-Register öffnen
Wählen Sie Trace in der Haupt-Registerleiste. Für eine Aufzeichnung brauchen Sie eine aktive OPC-UA-Sitzung (zuerst über das OPC-UA-Register verbinden).
Signale hinzufügen
In der linken Signal-Seitenleiste:
- „+ Signal" öffnet den OPC-UA-Browser zum Auswählen eines PLC-Tags.
- „+ Computed" fügt ein berechnetes Signal hinzu, dessen Wert aus einer Formel über die anderen Signale berechnet wird (siehe unten).
Jedes Signal hat eine Checkbox zum Aktivieren/Deaktivieren (ohne es zu entfernen), einen Farb-Indikator und einen Löschen-Button.
Werkzeugleiste
| Schaltfläche | Aktion |
|---|---|
| Start / Stop | Aufzeichnung starten bzw. stoppen |
| Modus | Fortlaufend hält die neuesten Samples in einem rollenden Fenster; Einzel-Trigger zeichnet ein festes Fenster um ein Trigger-Ereignis auf |
| Zykluszeit | Wie oft die SPS abgefragt wird (100 ms, 200 ms, 500 ms, 1 s, 2 s, 5 s) |
| Fenster | Zeitfenster im fortlaufenden Modus (30 s bis 1 h) |
| Trigger | Steigende/fallende/beide Flanken mit Schwellwert plus Pre-/Post-Samples konfigurieren |
| Auto-Skalierung | Automatische Y-Achsen-Anpassung ein/aus |
| Auto-Reconnect | Wenn aktiv, startet die Aufzeichnung nach einem OPC-UA-Verbindungsabbruch automatisch mit denselben Signalen neu |
| CSV exportieren | Aufzeichnung in eine CSV-Datei schreiben |
Während einer laufenden Aufzeichnung ist die Signalliste schreibgeschützt. Stoppen Sie den Trace, um Signale zu ändern, berechnete Signale hinzuzufügen oder die Skalierung zu wechseln.
Plot-Interaktion (nach Stop)
Sobald die Aufzeichnung gestoppt ist, können Sie sie über die Plot-Toolbar erkunden. Drei Buttons legen fest, was ein Maus-Ziehen im Plot bewirkt — immer nur einer ist aktiv:
- Cursor — der Standard. Ziehen setzt und bewegt die Messcursor (siehe unten).
- Pan — ziehen verschiebt den Ausschnitt nach links und rechts durch die Aufzeichnung.
- Rechteck-Zoom — ein Rechteck aufziehen zoomt in den Bereich.
Daneben:
- Zoom In / Zoom Out — schrittweises Zoomen um die Mitte.
- 100 % — beide Achsen auf die volle Aufzeichnung zurücksetzen.
- Fit — Y-Achse im aktuellen Zeitfenster automatisch anpassen.
Die reale Startzeit der Aufzeichnung wird oben links im Plot angezeigt (als HH:MM:SS.mmm), damit Sie die relative Zeitachse auf die Uhrzeit beziehen können.
Übersichts-Minimap
Sobald Sie stoppen, erscheint unter dem Hauptplot ein Streifen mit einer Übersicht der gesamten Aufzeichnung. Jedes Signal wird dort verkleinert gezeichnet, und ein schattiertes Rechteck markiert den Zeitausschnitt, den Sie gerade im Hauptplot sehen.
Ziehen Sie das Rechteck, um durch die Aufzeichnung zu schwenken, oder klicken Sie irgendwo auf den Streifen, um dorthin zu springen — das Rechteck behält seine Breite, Sie bleiben also beim selben Zoom. Zoomen, Fit oder Zurücksetzen des Hauptplots passt das Rechteck entsprechend an. Die Übersicht erscheint nur bei einer gestoppten Aufzeichnung und verschwindet wieder, während ein Trace läuft.
Dual-Cursor
Bei aktivem Cursor-Modus klicken Sie in den Plot, um Cursor t1 zu setzen; ein weiterer Klick setzt t2. Jeder weitere Klick wechselt, welcher Cursor bewegt wird. Ziehen Sie einen Cursor, um ihn präzise zu positionieren. Strg + Klick irgendwo auf den Plot löscht beide Cursor.
Die Zeitdifferenz Δt zwischen den Cursorn wird oben rechts im Plot angezeigt. Jeder Cursor trägt oben an der Linie ein kleines t1- oder t2-Label, und am zweiten Cursor werden Δt und ΔY live direkt an der Linie mitgeführt, während Sie ziehen.
In der Toolbar gibt es neben dem Export-Button einen Toggle Messcursor anzeigen. Beim ersten Einschalten nach einem gestoppten Trace platzieren sich die Cursor automatisch bei 25 % und 75 % des sichtbaren Zeitfensters, damit sie sofort sichtbar sind. Wird der Toggle ausgeschaltet, verschwinden die Cursor-Linien und die Spalten Y(t1) / Y(t2) / ΔY leeren sich — die zuletzt gesetzten Cursor-Positionen bleiben erhalten und erscheinen beim nächsten Einschalten wieder.
Signal-Tabelle (unter dem Plot)
Jedes Signal erscheint als Zeile mit den editierbaren Spalten: Name, Formel, Format (Dezimal / Hex / Binär / Bool / Wissenschaftlich), Linie (Linear oder Stufen), Min Y, Max Y und Skalierungsgruppe. Klicken Sie auf den Farbpunkt eines Signals, um dessen Kurvenfarbe frei zu wählen. Änderungen wirken sofort — kein Trace-Neustart nötig. Die rechten Spalten Y(t1), Y(t2) und ΔY zeigen die interpolierten Signalwerte an den beiden Cursorn sowie deren Differenz im gewählten Anzeigeformat.
Die Linie-Spalte steuert das Rendering im gestoppten Trace: Linear zieht eine Gerade zwischen Samples, Stufen zeichnet einen Rechteckverlauf — das passt zu booleschen oder bitweisen Signalen, die in der PLC tatsächlich sprunghaft zwischen diskreten Werten wechseln. Wird das Format eines Signals auf Bool gestellt, wird automatisch Stufen vorausgewählt. Sie können die Linien-Darstellung jederzeit manuell überschreiben; die Wahl bleibt bei späteren Format-Wechseln erhalten.
Skalierungsgruppen
Mehrere Signale können sich eine Y-Achse teilen, indem sie in dieselbe Skalierungsgruppe gelegt werden:
- Main — die linke Hauptachse (Default für neue Signale)
- A / B / C / D — vier geteilte rechte Achsen; jedes Signal in derselben Buchstaben-Gruppe nutzt eine gemeinsame Achse mit neutraler Beschriftung
- Eigene — eine dedizierte rechte Achse pro Signal, in der Signalfarbe eingefärbt
Beispiel: Drei Temperaturfühler in Gruppe A liegen auf einer gemeinsamen Skala übereinander, während der Druck auf seiner eigenen Achse bleibt.
Berechnete Signale (Formeln)
Ein berechnetes Signal hat keinen eigenen PLC-Tag. Sein Wert ergibt sich aus den Werten früherer Signale in der Liste, gemäss einer Formel, die Sie in die Spalte Formel eintragen.
Syntax:
$0,$1,$2… referenzieren Signale nach ihrer Position in der Liste (null-basiert). Ein berechnetes Signal an Position i darf nur Signale davor referenzieren ($0…$(i-1)), wodurch zyklische Abhängigkeiten strukturell ausgeschlossen sind.- Grundrechenarten
+,-,*,/und Klammerung. - Built-in-Funktionen:
abs,sqrt,sin,cos,tan,log,log10,exp,round,floor,ceil(je ein Wert) sowiemin(a, b),max(a, b),pow(a, b). - Zwei zustandsbehaftete Funktionen:
deriv($i)liefert die numerische Ableitung(yₙ − yₙ₋₁) / Δt,integ($i)das laufende Integral (Trapezregel). Jede erwartet eine einzelne Signalreferenz und hat ihren eigenen State, sodassderiv($0) + deriv($1)wie erwartet funktioniert. Der State wird bei jedem Trace-Neustart zurückgesetzt.
Beispiele:
$0 + $1 # Summe zweier Signale
($0 + $1) / 2 # Mittelwert
$0 - $1 # Differenz
abs($0 - $1) * 2 # doppelte absolute Differenz
deriv($0) # numerische Ableitung
integ($0) # numerisches Integral
$0 * 0.5 + 1.25 # Verstärkung + Offset
Validierung: Die Formel wird während der Eingabe geprüft. Eine ungültige Formel zeichnet einen roten Rahmen um die Zelle und zeigt den Grund als Tooltip; der Start-Button bleibt deaktiviert, bis jede Formel gültig ist. Ausserdem braucht eine Aufzeichnung mindestens ein echtes (PLC-)Signal zum Starten — ein Trace aus ausschliesslich berechneten Signalen kann nicht aufzeichnen.
Ein Signal finden
Bei vielen Signalen in der Liste führen Sie Trace: Signal fokussieren… über die Befehlspalette aus. Wählen Sie ein Signal aus der Liste, und die Signal-Tabelle springt zu dessen Zeile und hebt sie kurz hervor, sodass Sie es auf einen Blick finden.
Export
Über CSV exportieren wird die Aufzeichnung auf die Festplatte geschrieben. Jedes Signal (Quell- wie berechnetes) wird zu einer Spalte, jedes Sample zu einer Zeile. Die erste Spalte enthält den Zeitstempel als lesbares Datum mit Uhrzeit, sodass sich der Export sauber in einer Tabellenkalkulation oder einem Texteditor öffnen lässt.