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2026-06-10 · Aktualisiert 2026-09-22

Industrial Copilot vs. Multi-Provider-KI

Der Unterschied liegt nicht darin, ob KI ins TIA Portal kommt, sondern zu welchen Bedingungen: Siemens Industrial Copilot ist der chatbasierte Assistent des Herstellers mit vorgegebenem Modell und Cloud-Inferenz, eine Multi-Provider-KI lässt dich Modell, Anbieter und Ort der Inferenz selbst bestimmen. AnyAutomation Studio ist diese Multi-Provider-Variante für TIA Portal V15 bis V21: du bringst Claude, GPT, Gemini oder ein lokales Modell mit, und der Assistent sitzt in einer Engineering-IDE, die generierten Code über die offizielle Openness-API ins Projekt bringt, kompiliert und testet.

Beide lösen dieselbe Aufgabe, SPS-Code mit Projektkontext schreiben und erklären. Sie entscheiden nur anders bei Modellwahl, Datenfluss, Versionsabdeckung und bei dem, was nach dem Generieren passiert.

Die Gegenüberstellung

Kriterium AnyAutomation Studio Siemens Industrial Copilot Eigen Engineering Agent
Ansatz Engineering-IDE mit agentischem Assistenten Chat-Assistent des Herstellers Agentischer Nachfolger des Copilot
Modellwahl Frei: Claude, GPT, Gemini, xAI, 20+ Cloud-Anbieter, lokale Modelle Vorgegeben Vorgegeben
Lokale Inferenz Ja, über Ollama, LM Studio, vLLM, SGLang Cloud, On-Premise-Variante angekündigt Cloud
TIA-Versionen V15-V21 Ab V19 V19-V21
Weg ins Projekt Openness-Import mit Diff und Bestätigung Direkt im TIA Portal Direkt im Projekt
SCL-Unit-Tests Ja, gegen PLCSIM Advanced und echte S7-SPS Nein Nein
Git und CI/CD Ja, integriert Nein Nein
Parallele Sessions Ja, Best-of-N mit 2 bis 5 Versuchen Nein Nein
Vertrieb Öffentliche Preise, ab CHF 10 pro Monat Abo über Siemens Xcelerator Abo über Siemens DEX

Stand September 2026. Die Angaben zu den Siemens-Produkten stammen aus öffentlichen Herstellerseiten, massgeblich sind die Angaben von Siemens. Alle Werkzeuge im Feld nebeneinander stehen im Vergleich der KI-Tools für die SPS-Programmierung.

Modellwahl: eines oder viele

Ein anbietergebundener Copilot entscheidet die Modellfrage einmal für alle Anwender. Das ist bequem und zugleich eine Wette auf einen Anbieter, eine Preisentwicklung und eine Modellgeneration. In Studio wählst du pro Nachricht, welches Modell antwortet. Es gibt vier Wege hinein: Anmelde-Anbieter (Anthropic, OpenAI, xAI), Cloud-Anbieter per eigenem API-Schlüssel (Google Gemini, OpenRouter, Mistral, Groq, DeepSeek und weitere), Enterprise-Clouds (Azure OpenAI, Google Vertex AI, AWS Bedrock) und lokale Server. Für einen kniffligen Baustein nimmst du ein starkes Reasoning-Modell, für die Vervollständigung beim Tippen ein schnelles Coder-Modell. Welches Modell sich wofür eignet, steht in Welches LLM für TIA Portal?

Wo die Inferenz läuft

Industrial Copilot läuft laut Herstellerangaben über die Cloud, eine On-Premise-Variante ist angekündigt; der Eigen Engineering Agent ist cloudbasiert. Studio kann die Inferenz vollständig lokal fahren, über Ollama, LM Studio, vLLM oder SGLang auf eigener Hardware. Dann verlässt kein Baustein und keine Variablentabelle den Rechner. Bei einem Cloud-Anbieter bringst du deinen eigenen Schlüssel mit, die Anfrage läuft direkt dorthin, nicht über einen AnyAutomation-Server. Für Know-how-geschützte Anlagen und regulierte Branchen ist genau das oft der Punkt, an dem eine interne Freigabe hängt.

Agentisch statt nur Chat

Ein Chat-Assistent antwortet. Ein Agent arbeitet. Der Assistent in Studio bedient das Projekt über ein nach Kategorien geordnetes Tool-Set: Projekt und Projektbaum, Bausteine, Datentypen und Variablentabellen, Hardware, WinCC, EPLAN, OPC UA, Forge und Unit-Tests. Lesende Aufrufe laufen still im Hintergrund, jeder ändernde Aufruf fragt vorher nach, solange du das für ein Werkzeug nicht anders einstellst.

Dazu kommt Best-of-N: derselbe Prompt läuft gleichzeitig in zwei bis fünf isolierten Sessions, auf Wunsch mit einem anderen Modell je Versuch. Du vergleichst die Ergebnisse und übernimmst eines, der Rest wird verworfen.

Was nach dem Generieren passiert

Hier liegt der grösste praktische Unterschied, und er ist unabhängig vom Modell. Generierter SPS-Code ist so viel wert wie der Prozess, der ihn prüft: Diff lesen, über die offizielle API importieren, gegen das echte Projekt kompilieren, mit SCL-Unit-Tests auf PLCSIM Advanced oder der realen S7-SPS nachweisen, in Git versionieren.

Die Forschung misst genau diesen Effekt. Die Pipeline LLM4PLC stellte Grammatikprüfer, Compiler und Verifikation um das Modell herum und hob die Erfolgsquote der Generierung von 47 auf 72 Prozent, die von Experten bewertete Codequalität von 2,25 auf 7,75 von 10 Punkten. AutoPLC, das gezielt SCL für TIA Portal und ST für CODESYS erzeugt und dabei direkt gegen die Hersteller-IDE validiert, meldet über 90 Prozent Compile-Erfolg auf einem Benchmark mit 914 Aufgaben. Agents4PLC baut denselben geschlossenen Kreis aus Generierung und Verifikation mit mehreren Agenten auf. Die gemeinsame Erkenntnis: Nicht das Modell entscheidet, sondern ob Compiler und Test im Kreis sitzen.

Ehrliche Grenzen

Kein Werkzeug nimmt dir das Review ab. Sprachmodelle erfinden gelegentlich Systembausteine oder Parameter, Annahmen über Zykluszeit und Peripherie gehören geprüft, und sicherheitsgerichtete Logik wird nicht generiert: F-Technik bleibt Handarbeit mit Abnahme. Vor jeden Import gehört ein Diff, hinter jeden Import ein Test. Was KI in der SPS-Programmierung grundsätzlich leistet und wo sie scheitert, steht im Leitfaden KI in der SPS-Programmierung.

Welches Werkzeug wofür

  • Du arbeitest nur in TIA Portal ab V19, die Siemens-Cloud ist freigegeben und die offizielle Herstellerintegration zählt: Industrial Copilot oder Eigen Engineering Agent.
  • Du hast Bestandsprojekte ab V15, willst das Modell selbst wählen oder lokal fahren, und Tests, Git und Import mit Diff gehören für dich dazu: AnyAutomation Studio.
  • Du willst beides vergleichen: die Testphase in Studio läuft 30 Tage ohne Kreditkarte.

Häufige Fragen

Ersetzt AnyAutomation Studio den Siemens Industrial Copilot?

Für die KI-Assistenz im TIA-Engineering ja: Projektkontext, SCL generieren und refactoren, Code erklären, AWL nach SCL konvertieren, dazu freie Modellwahl, lokale Inferenz, Unit-Tests, Git und Import mit Diff. Was Studio nicht ersetzt, ist die Position als Herstellerprodukt: Support und Integrationstiefe auf Siemens-Seite bleiben Siemens.

Welche TIA-Portal-Versionen deckt welches Werkzeug ab?

AnyAutomation Studio arbeitet über die offizielle Openness-API mit TIA Portal V15 bis V21. Der Eigen Engineering Agent ist laut Siemens für V19 bis V21 ausgelegt, der Industrial Copilot für neuere Versionen ab V19. Für Bestandsprojekte unter V19 ist das häufig das erste Ausschlusskriterium.

Läuft eine Multi-Provider-KI auch ohne Cloud?

Ja. Über Ollama, LM Studio, vLLM oder SGLang läuft die Inferenz vollständig auf deiner eigenen Hardware, ohne API-Schlüssel und ohne Internetverbindung zum Modellanbieter. Die Herstellerassistenten von Siemens laufen über die Cloud, für den Industrial Copilot ist eine On-Premise-Variante angekündigt.

Was ist der Unterschied zwischen Industrial Copilot und Eigen Engineering Agent?

Zwei Generationen derselben Siemens-Linie, kein Konkurrenzpaar. Der Industrial Copilot ist der chatbasierte Assistent der ersten Generation, der Eigen Engineering Agent der agentische Nachfolger, der sich direkt mit dem Projekt verbindet und neben SPS-Code auch HMI-Skripte und Antriebskonfigurationen liefert, vertrieben als Abo über den Siemens-DEX-Marktplatz.

Was kostet die Multi-Provider-Variante?

Die Studio-Pläne sind öffentlich und in CHF: Basic CHF 10 pro Monat oder 110 pro Jahr mit enthaltenem KI-Chat, Pro CHF 30 oder 330, Pro+ CHF 50 oder 550. Dazu kommt dein eigener API-Schlüssel beim Modellanbieter, oder ein lokales Modell ganz ohne Schlüssel. 30 Tage kostenlos testen.